Wunder an der Ruhr: Exkursion der Q1-Erdkunde-Kurse ins Ruhrgebiet

Am Freitag, dem 3. Februar 2017 waren der Erdkunde-LK von Frau Kühlwetter und der Erdkunde-GK von Herrn Ziegler-Flory unterwegs im Ruhrgebiet. Passend zum momentanen Unterrichtsthema, Industrie-Geographie und Strukturwandel, besuchten wir verschiedene, teils stillgelegte, teils modernisierte Standorte der ehemals das Ruhrgebiet dominierenden Montanindustrie. Dabei wurden wir von zwei Führern vom Regionalverband Ruhr begleitet, die uns viel Wissenswertes über die Vergangenheit, die gegenwärtige Lage und die Zukunftsperspektiven des Ruhrgebiets vermittelt haben. Unsere Exkursion konzentrierte sich auf das westliche Ruhrgebiet mit Stationen in Essen, Bottrop, Oberhausen und Duisburg.
Start der Exkursion war in Essen, der Gründungsstadt der Krupp Stahlwerke, wo wir uns über die Entstehung der Kruppindustrie, sowie deren spätere Fusion mit der ebenfalls im Ruhrgebiet ansässigen Thyssen AG informierten. Auch wurde der Einfluss der Industrie auf die Stadt Essen beleuchtet, die besonders durch die ThyssenKrupp AG internationale Bekanntheit errang. Wir hielten uns dabei vorwiegend in der im Westen Essens liegenden Kruppstadt auf. Sie grenzte direkt an die mittelalterliche Stadt an. Anschließend besuchten wir die heutige Hauptzentrale des Industriekonzerns ThyssenKrupp, die zahlreiche architektonische Besonderheiten aufweist. So umgibt die Gebäude ein weitläufig aus künstlich angelegten Seen und Grünflächen bestehendes Gelände. Es wurde im Zuge eines vom Konzern veranstalteten Wettbewerbes von hochkarätigen Architektenbüros gestaltet und umgesetzt.
Weiter ging es nach Bottrop, wo wir eine speziell für die Arbeiter in der Montanindustrie entstandene Siedlung nach dem Gartenstadtprinzip von E. Howard besichtigten, was uns einen Einblick in die damaligen Lebensverhältnisse gewährte. So sahen wir, dass die meist achtköpfigen Familien auf nur sehr geringem Raum zusammen lebten und die kleinen Vorgärten die einzige Ausweichmöglichkeit für die Kinder dieser Familien darstellten. Ein besonderes Highlight der Exkursion war darüber hinaus der sich ebenfalls in Bottrop befindende Tetraeder, eine von einem Künstler auf einer Abraum-Halde aus den Zeiten der Kohleförderung errichtete 60 m hohe Aussichtsplattform. Die tetraederförmige Stahlkonstruktion aus drei an Stahlseilen aufgehängten Treppen schwankt bei der Begehung etwas im Wind, aber Ausblick auf weite Teile des westlichen Ruhrgebietes ist diesen Hauch von Nervenkitzel definitiv wert. An dieser Station wurde uns das Ausmaß der alten Industrieanlagen deutlich bewusst. Besonders eindrucksvoll waren die riesigen, alle paar Minuten von den Schornsteinen der letzten aktiven Kokerei des Ruhrgebiets „Prosper-Haniel“, ausgestoßenen Wasserdampfwolken, die bei der Koksproduktion entstehen.
Von Bottrop ging es weiter nach Oberhausen, der kleinsten Großstadt des Ruhrgebiets, wo wir uns das Gelände der ehemaligen Gute-Hoffnungs-Hütte ansahen. Das alte Industrieareal wird heute für verschiedenste Zwecke, wie z.B. für Festivals im heutigen Olgapark verwendet. Außerdem lernten wir, dass die natürlich durch Oberhausen fließende Emscher noch heute als eine Art offenes Abwassersystem verwendet wird, da man früher aufgrund der ständigen, durch den Bergbau verursachten, Bewegung des Bodens keine unterirdischen Rohre verlegen konnte. Dieses Konzept ist allerdings heute veraltet. So stehen in den nächsten Jahren Modernisierung und Renaturierung auf dem Plan. Auf unserem Weg zum Zentrum der Stadt sahen wir außerdem den als Verbindung zwischen Duisburg und Dortmund angelegten Rhein-Herne-Kanal sowie den alten, heute als Ausstellungsraum verwendeten, Gasometer. Im Zentrum angekommen erwartete uns das riesige Centro, welches eines der größten Einkaufszentren Europas ist. Dort legten wir eine Pause ein, während der wir uns in der mehrstöckigen Mall umsehen konnten – natürlich mit Karte und Kompass zur Orientierung…

Nach einer wohlverdienten Erholung machten wir uns auf zum nächsten und letzten Ziel: dem Landschaftspark Duisburg Nord. Sobald wir das Gelände des ehemaligen von Thyssen betriebenen Stahlstandorts betraten, schien es wie eine Reise in eine Zeit, in der die Stahlindustrie noch florierte und die heute verrosteten Hochöfen noch brannten. Sehr spannend zu sehen, dass die heutigen Betreiber die alte Industrie-Ruine in eine Art Abenteuerspielplatz für alle Altersklassen mit Kletteranlagen, Rutschen und einem Tauchbecken im alten Gasometer verwandelt haben. Wir begegneten sogar einem Brautpaar, welches dort seine Hochzeitsfotos machte. Als krönenden Abschluss der Exkursion wagten wir uns noch etliche ausgetretene Stufen hinauf auf den 70 m hohen Hochofen, was uns einen wahnsinnig tollen Ausblick auf das umliegende Areal eröffnete. Zu guter Letzt ließen wir das noch heute von der alten Industrie geprägte Ruhrgebiet mit vielen Eindrücken hinter uns und kehrten zur Schule zurück. Außer an unsere begleitende Lehrkräfte geht ein großes Dankeschön an unseren Foto-Reporter Joshua Fritz!
Johanna Rieck und Ceire Horn, Q1

Veröffentlicht am 17. März 2017 von Juh unter der Kategorie Allgemein.