Revolution, Verrat und weibliche Rache: Annäherung an die Nibelungen

Kinder_der_Finsternis2Am letzten Mittwoch, dem 12. März, hat unser Leistungskurs mit unserer Deutsch-lehrerin Frau Witte eine Exkursion in die Bonner Opernwerkstatt gemacht, um dort eine Einführung in die Welt der Nibelungen in der Form von szenischem Spiel zu erarbeiten. Auslöser dafür war unser bevorstehender Theaterbesuch in den Godesberger Kammerspielen, wo der Nibelungenstoff in der Bearbeitung von Friedrich Hebbel aufgeführt wird. In der Opernwerkstatt nahm uns die Theaterpädagogin Angela Merl in Empfang und führte uns in den Ballettraum: Hier sollte sich alles abspielen. In einem großen Sitzkreis auf dem Boden tauschten wir unsere Vorkenntnisse über die Nibelungen aus. Danach fasste Frau Merl uns den Inhalt des Trauerspieles kurz und präzise zusammen, sodass wir schon einmal einen kleinen Vorgeschmack auf das bekamen, was am Sonntag auf uns zukommen würde. Nachdem wir uns durch ein paar Aufwärmübungen fit gemacht hatten, ging es los. Als Erstes bekamen wir die Aufgabe, uns frei im Raum zu bewegen und dabei unter den Mitschülern klammheimlich einen Feind auszusuchen. Auf ein Stoppsignal hin positionierten wir uns so weit entfernt wie möglich von unserem Feind, ohne dass dieser darüber Bescheid wusste. Beim zweiten Durchgang sollten wir uns jetzt einen Freund aussuchen und beim Stoppsignal so nah wie möglich zu ihm stehen. Beim dritten Durchlauf versuchten wir, so nah wie möglich an unserem Freund und so weit weg wie möglich von unserem Feind zu stehen. Dadurch erlernten wir das Prinzip der Distanzierung szenisch umzusetzen. Für die nächste Aufgabe wurden wir in Fünfergruppen eingeteilt. Jeder Gruppe wurde ein Thema genannt, welches durch ein Standbild zu visualisieren war. Man kannte aber nur sein eigenes Thema. Die der beiden anderen Gruppen galt es nun anhand der präsentierten Standbilder zu erraten. Die Lösungen waren Revolution, Verrat und Rache, also genau drei für die Nibelungen zentrale Themen.Daraufhin erhielten wir einen Monolog: den Traum Kriemhilds. Diesen sollte jeder nach der von der Theaterpädagogin vorgegebenen Sprechart verbalisieren. Er sollte erst flüsternd, dann geheimnisvoll und schließlich so vorgetragen werden, als spräche man zu einem Freund. Dabei gingen wir zunächst im Raum umher, um dann verschiedenste Körperhaltung von sitzend über liegend bis hin zu einer betont unbequemen Körperhaltung auszuprobieren. So konnten wir schließlich selbst frei und in vielen Variationen interpretieren. Unsere Kreativität war extrem gefordert, als wir dann die Szene aus den Nibelungen selbst gestalten und spielen sollten, in der Brunhilde von Siegfried mit Hilfe seiner Tarnkappe überlistet wird. Alle Gruppen zeigten dabei ganz eigene, gelungene Umsetzungen. Dann standen wir uns in zwei Reihen als Kriemhild und Brunhilde gegenüber und trugen uns kurze Reden der beiden Frauenfiguren im Wechsel vor, wobei der individuellen Interpretation keine Grenzen gesetzt waren. Am Schluss spielten wir die Racheszene der Kriemhild nach. Die Rolle der Krimhild war begehrt und zwei Leute versetzten sich in die Figur Humboldts, welcher lediglich durch das Wort zurück die Gesellschaft, die sich auf einem Minenfeld zu Kriemhild begab, aufhalten wollte. Alles endete mit dem Auftrag der Theaterpädagogin, dass diese Gesellschaft auf der Stelle sterben sollte – und zwar bildlich. Und dies war auch das Ende unserer Exkursion, da unsere Zeit in der Werkstatt nun mit einer letzten Fragerunde zu Ende ging. Insgesamt hat uns das szenische Spielen sehr viel Spaß gemacht. Das würden wir jederzeit noch einmal tun!
Lea Röchling, Q1