“Er ist wieder da”: Redeanlass – Denkanstoß

Er_ist_wieder_daBerlin im Jahr 2014: Angela Merkel als Bundeskanzlerin, Demokratie, Deutschland als Hoffnung vieler Flüchtlinge und Heimat vieler Nationalitäten. Was wäre, wenn Adolf Hitler plötzlich wieder lebte? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Film Er ist wieder da, auf den wir in Frau Spedas Geschichts- unterricht aufmerksam wurden. Diesen Film wollten sich die Schülerinnen und Schüler anschauen. Und da das Thema perfekt zu der gerade beendeten Unterrichtsreihe Der Nationalsozialismus passt, schlossen sich die Kurse von Frau Goetzke und Frau Walpurgis an. So ging es am 25. November 2015 mit den Geschichtsgrundkursen der Q2 des Konrad-Adenauer-Gymnasiums ins Kinopolis, wo Mitschüler einen ganzen Kinosaal für uns reservieren konnten. Und es dauerte auch nicht lange, bis sich Adolf Hitler unter uns befand, wenn auch nur auf der Kinoleinwand. Aus einer Rauchfahne erwachte Hitler (gespielt von Oliver Masucci) an dem Ort, wo er sich 1945 der Verantwortung entzog.

Am Führerbunker der Reichskanzlei, mitten in Berlin. Die reanimierte Hauptfigur des Films ist selbst mehr als überrascht vom neuen Deutschland. Und es dauert auch nicht lange, bis Hitler entdeckt und prompt unterschätzt wird. Die Fernsehproduzenten Sensenbrink (alias Christoph Maria Herbst) und Sawatzki (Fabian Busch) sowie Senderchefin Bellini (Katja Riemann) werden auf ihn aufmerksam: Überwältigt von der Echtheit Hitlers und dessen Reden nehmen sie ihn ohne große Hintergedanken in ihr Programm auf. „Man könnte meinen, er ist der echte Hitler…“, heißt es im Film. Er wird nur als Entertainer gesehen. Die Einschaltquoten steigen und das Volk ist begeistert von Hitlers Humor und Echtheit seiner Reden, die alle original sind. Den ganzen Film über bleibt er konsequent in seiner Rolle; für ihn gibt es gar keinen Zweifel, dass er der echte Hitler ist und er versteht gar nicht, dass die Bevölkerung dies nur als einen Witz betrachtet. Er gibt sich volksnah und unterhaltsam. Und er macht die Erfahrung, dass viele seine Meinungen vertreten und ihm auch wieder folgen würden. Hitler wehen Sympathien entgegen, was vielleicht auch an seiner Ausstrahlung liegen mag. Auch Menschen, die Hitlers Geschichte kennen und eine klare Abneigung gegenüber Hitler haben, neigen plötzlich dazu, Verständnis für die Hauptfigur zu entwickeln. Er spricht Probleme an und stellt sich als Problemlöser dar, was gerade bei bildungsarmen Bevölkerungsschichten manipulative Wirkung entfaltet. Hierbei eignen sich die neuen Medien als ideales Propagandamittel und zeigen deutlich, wie leicht Manipulation auch und gerade heute, vor allem durch soziale Netzwerke, möglich ist. Die Bevölkerung sieht das Machtpotential Hitlers nicht und selbst, als ein Fernsehproduzent überzeugt davon ist, dass der echte Adolf Hitler unter ihnen sei, machen Sie keine Anstalten, die Demokratie zu schützen. Mit Äußerungen wie „Wir können doch auch eine Demokratie haben, wo einer die Macht hat!“ erhält Hitler im Film Rückenwind. Aussagen wie diese oder auch ausländer- und judenfeindliche Aussagen riefen teils heftige Reaktionen bei uns hervor, wie zum Beispiel: „Mir hat der Film Angst gemacht – es ist unglaublich wie schnell Hitler die Menschen auf seine Seite bekommen konnte und verdeutlicht seinen Weg an die Macht“ oder: „Hitler ist ein Teil von jedem und wird nie verschwinden“. Die Stimmung nach dem Film war sehr bedrückt, auch wenn wir uns einig waren, dass die schauspielerische Leistung Masuccis kaum zu übertreffen war, so realistisch war alles. Der Film bot viel anregenden Gesprächsstoff in den nachfolgenden Geschichtsstunden. Viele Schülerinnen und Schüler fanden, dass der Film in seiner Machart an ihre Lebensgewohnheiten anknüpft, da sehr deutlich wurde, wie Propaganda in den Medien und das Charisma einer „Führerpersönlichkeit“ auf jeden einzelnen wirken kann. Es entbrannte eine Diskussion darüber, inwiefern z.B. der IS dieselben Mittel nutzt, um junge Menschen für seine Interessen zu rekrutieren. “Es ist wichtig, immer selbstkritisch zu bleiben und sich nicht manipulieren zu lassen!“: So lautete das Fazit der Schülerinnen und Schüler. Auch wenn der Film sich vieler Mittel der Komik bediente, wurde das ernste Hintergrundthema doch sehr deutlich; zunächst als Komödie daherkommend, wurde bitter-ernst deutlich, dass wir vielleicht selbst anfällig für eine solche Manipulation sind und daher ein wacher politischer Geist, unterfüttert mit historischer Bildung von absoluter Wichtigkeit ist!
Carolin Keßel, Q2