Ein literarischer Abend mit Lena Schätte am Konrad-Adenauer-Gymnasium

Die Erzählerin von Lena Schättes Roman Das Schwarz an den Händen meines Vaters tritt nur mit ihrem Kosenamen ‚Motte‘ in Erscheinung, den ihr Vater für sie verwendet. Motte hat in ihrer Wahrnehmung aber eigentlich zwei Väter: Den lustigen, liebevollen Vater, der als Arbeiter im Ruhrgebiet ‚Maloche‘ gewöhnt ist, sodass seine Hände ihre schwarze Tönung erst im Laufe des Wochenendes allmählich verlieren, bevor sich Ruß und Maschinenöl am Montag wieder neu in jede Pore fressen. Dann ist da aber noch Mottes ganz anderer Vater, dessen Alkoholsucht einen fatalen Schatten über das Leben seiner Frau und seiner drei Kinder wirft, bis er schließlich große Teile ihres Lebens wie ihrer Gedanken- und Gefühlswelt dominiert. Natürlich passt es angesichts der weithin akzeptierten Volksdroge Alkohol, dass auch der Vater nicht mit seinem Namen erscheint: Mottes Familie steht stellvertretend für so viele Familien und Kinderschicksale quer durch alle soziale Schichten in unserer Gesellschaft. Doch zugleich hat es Lena Schätte mit Präzision der Beobachtung und dem Fehlen jeglicher Larmoyanz in den Schilderungen von Mottes kindlichen Erleben und späteren Erfahrungen als erwachsene Frau mit ihrem Roman auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2025 geschafft. Die Wirkung auf die Leserschaft ist immens, trifft ins Herz. Das war auch spürbar, als unser Deutsch-Leistungskurs in der Q1 Lena Schätte am 27. Januar in der Aula des Konrad-Adenauer-Gymnasiums im Rahmen der vom Literaturhaus Bonn organisierten Reihe KlasseBuch als Gast begrüßen durfte, um aus ihrem Roman zu lesen und in den Austausch mit den Leistungskurs-Mitgliedern und dem Publikum einzutreten. Dabei verlieh die langjährige berufliche Erfahrung der Autorin mit betroffenen Kindern aus Familien mit Suchtproblematik unserem Abend eine zweite Dimension, sodass sich hier die beiden Welten der Fiktion und der Realität gegenseitig beleuchteten. Groß war unsere Freude, schon zum sechsten Mal eine KlasseBuch-Veranstaltung vorzubereiten, zu gestalten und durchzuführen und wer die Geschichte dieses Veranstaltungsformats seit Juni 2019 mitverfolgt hat, kann sich nur wundern über Reichhaltigkeit, Niveau und Bandbreite jeder dieser literarischen Abende mit Lesung, Autorinnenspielen und Gesprächen. Das liegt natürlich auch an der wunderbaren Auswahl der Autorinnen, die Schülerinnen und Schüler unserer Oberstufenkurse dank des Literaturhaus-Teams kennenlernen dürfen sowie an der umsichtigen, engagierten und effizienten Begleitung der Literatur- oder Deutschkurse im Vorfeld der Veranstaltung: diesmal durch Miriam Kalliwoda vom Literaturhaus und der jungen Autorin Sehnaz Dost! Danke! Großes Kompliment an das professionelle Moderatorinnen-Duo Jamie und Loreena, die uns und das Publikum durch den Abend geführt haben. Danke für ein thematisch treffendes und ideenreiches Bühnenkonzept von Hannah Heiliger, Nina Cocovic, Lucy Voigt und Charlotte Kühlwetter. Danke and Laura Schlee, Alisha Peix und Gina Stein für das biographische Versteckspiel mit der Autorin: ideenreich und frisch aus der Fälschwerkstatt. Danke an Loreena Torres Baak für If I saw you in Heaven (Gitarre), Ella Steger aus der Q1 (Querflöte) und Herrn Trimpler (Klavier) für die musikalische Begleitung des Abends. Danke an Nils Knoor und Kathy Schleheck für 100 Ideen und das Sammeln und Entwickeln unserer Fragen an die Autorin und Abendkasse nebst Büchertisch. Danke für das Autorinnengeschenk – passender hätte es nicht sein können! Und danke an Dr. Adler mit seiner Technik-AG für professionelle Beleuchtung, Soundtechnik und eine Pause Über den Wolken!
J. Juhre, für die Fachschaft Deutsch